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Gepäckverlust – Wer haftet in welcher Höhe?
Verlorene Koffer, fehlendes Gepäck: Das Montrealer Übereinkommen regelt den Schadenersatz.

In steter Regelmäßigkeit fallen Flughäfen dadurch auf, dass Ihnen Gepäck abhanden kommt und zwar teils massenhaft. Die wohl größte Panne dieser Art betraf den Flughafen London-Heathrow. Kaum war dort im Jahr 2008 das neue Terminal 5 eingeweiht, stellte sich heraus, dass die Gepäckssortierungsanlage nicht funktionierte. Mit der Lösung des Problems waren die Londoner so überfordert, dass am Schluss sogar 28.000 Koffer zur Sortierung nach Mailand geschickt werden mussten.

Aber auch auf deutschen Flughäfen bleibt das Koffer-Chaos nicht aus. Airlines machen dafür zumeist aber Dienstleister verantwortlich, so z.B. im Sommer 2017, als in Berlin mehrere tausend Koffer zur Sortierung und Abfertigung blieben.

Die Fluggesellschaft haftet

Ob Flughafen, Fluggesellschaft oder Dienstleistungsunternehmen für verlorene Gepäckstücke verantwortlich sind, braucht Passagiere glücklicherweise meist nicht zu kümmern. Die Haftungsfrage ist nämlich relativ eindeutig geklärt: Nach dem Montrealer Übereinkommen (MÜ) haftet nämlich die Fluggesellschaft als sogenanntes „Luftfrachtunternehmen“.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass es sich hierbei um eine sogenannte verschuldensabhängige Haftung handelt. Dies bedeutet, dass die Airline ein Verschulden am Verlust des Käufers treffen muss. Glücklicherweise liegen die rechtlichen Hürden für ein solches Verschulden in der Regel nicht sehr hoch. Außerdem wird ein Verschulden nach dem Montrealer Übereinkommen in der Regel vermutet. Dies bedeutet in der Praxis, dass die Airline beweisen muss, dass sie kein Verschulden trifft. Nur dann wird sie von der Haftung frei.

„Sonderziehungsrechte“?

Für Gepäckverlust gilt: Bei der Zerstörung, Verlust oder Beschädigung von Reisegepäck sieht das Montrealer Übereinkommen eine Haftungshöchstgrenze von 1.131 Sonderziehungsrechten pro Fahrgast vor. Dies ergibt sich aus Art. 17 Art. 22 des Montrealer Übereinkommens. Besonders günstig stehen Passagiere in diesem Fall dann, wenn das Reisegepäck aufgegeben wurde, denn dann besteht in der Regel eine verschuldensunabhängige Haftung des Luftfrachtunternehmens.

Falls Sie mehr über die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) wissen möchten, empfehlen wir Ihnen diesen Artikel: Sonderziehungsrechte und verlorene Koffer.

Keine Pauschalen

Wichtig ist aber der Hinweis, dass es sich bei den Beträgen nicht etwa um Pauschalen handelt, sondern um echte Obergrenzen für die Haftung. Dies bedeutet, dass der Fluggast in der Regel lediglich den tatsächlichen Wert seines zerstörten, verlorenen oder beschädigten Reisegepäcks, sowie den Wert des jeweiligen Inhalts ersetzt bekommt.

Es ist allgemein anerkannt, dass der Passagier dabei nachzuweisen hat, in welcher Höhe ihm ein Schaden entstanden ist. Er wird in der Regel in der Lage sein müssen, Angaben zum Alter des Koffers (oder der Tasche) und dessen (bzw. deren) Wert sowie zum Inhalt des Reisegepäcks zu machen.

Ungenauigkeiten und Schummeleien können schlimme Folgen haben

Wenn das Gepäck verloren geht, ehrgeizig jeder. Gelegentlich gibt es Fälle, in denen Passagiere dann, vermutlich infolge der Aufregung, unrichtige oder nicht ganz vollständige Angaben zum Inhalt eines Koffers machen. Dann werden möglicherweise Wertangaben (z.B. für Schmuck, elektrische Geräte  oder Kleidungsstücke) nicht ganz richtig getätigt. Dies kann böse Folgen haben.

Gelegentlich tauchen die Koffer nämlich nach einigen Monaten unerwarteterweise doch wieder auf. Dann gibt es häufig Untersuchungen zum Inhalt. Spezialisierte Mitarbeiter der Fluggesellschaften (oder in manchen Fällen Mitarbeiter von Detekteien) vergleichen dann den Inhalt des wiedergefundenen Koffers mit den Angaben, die die Passagiere im Rahmen des Entschädigungsverlangen gemacht haben. Weichen diese erheblich zum Nachteil der Fluggesellschaft ab, z.B. weil aus dem billigen Modeschmuck in der Schadensmeldung teurer Goldschmuck wurde, müssen Passagiere mit der Einleitung eines Strafverfahrens rechnen.

Gelegentlich gibt es in diesem Zusammenhang auch tatsächlich Verurteilungen von Passagieren wegen Betruges. Selbstverständlich sind in solchen Fällen die Passagiere auch zur Rückzahlung der erhaltenen Entschädigung verpflichtet.

Praxistipp: Die meisten Menschen tragen ein Smartphone in der Tasche. Das Smartphone kann mehr als Katzenvideos abspielen. Es ist ein hervorragendes Beweissicherungswerkzeug. Machen Sie davon Gebrauch!

Wenn Sie Ihren Koffer packen, fotografieren Sie schnell noch den offenen Koffer, bevor Sie ihn zumachen. In der Praxis hilft ein solches Foto nicht nur um damit den Inhalt dieses Koffers zu beweisen sondern taugt bereits als gute Gedächtnisstütze, wenn Sie eine Verlustmeldung ausfüllen müssen.

Rechtliche Besonderheiten

Das Luftfrachtunternehmen kann sich ausnahmsweise von der Haftung befreien, wenn ihm der Nachweis gelingt, dass der Passagier den Schaden selbst verursacht oder dazu beigetragen hat. Dabei ist es egal, ob der Beitrag des Passagiers vorsätzlich oder nur leicht fahrlässig erfolgt ist. Dies ergibt sich aus Art. 20 des Montrealer Übereinkommens.

Außerdem ist es rechtlich durchaus umstritten, gegen wen die Ansprüche nach dem Montrealer Übereinkommen richtigerweise zu richten sind. Dies ist insbesondere dann schwierig zu bestimmen, wenn ein Fall des sogenannten „Wet Lease“ vorliegt. Zur Problematik des „Wet Lease“ haben wir ergänzende Informationen in folgendem Artikel zusammengefasst:

Nicht nur Gepäckverlust geregelt

Das Montrealer Übereinkommen regelt nicht nur den Schadenersatz wegen Gepäckverlust. Dies stellt zwar den praktisch bei Weitem häufigsten Anwendungsfall des MÜ dar. Tatsächlich enthält das Übereinkommen daneben aber auch Regelungen für Verspätungsschäden und Personenschäden, insbesondere für den Tod eines Fluggastes.

Wenn Sie Ansprüche wegen Personenschäden geltend machen möchten, empfehlen wir Ihnen dringend, eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt zu kontaktieren, der bzw. die im Versicherungsrecht oder im Reiserecht besonders spezialisiert ist. Gerade die Thematik der Entschädigungsleistungen nach schweren Flugunfällen ist rechtlich äußerst kompliziert und gehört in jedem Fall in die Hände von spezialisierten Kanzleien.

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